Paradigmenwechsel 1: Gefahr oder gefährliche Energie?

Beim Thema Sicherheit in Unternehmen fokussieren sich viele Manager und Fachexperten oft nur auf von Natur aus gefährliche Sachverhalte, wie zum Beispiel giftige Chemikalien, eine offene Flamme, ein rotierendes Sägeblatt oder gefährliche Mensch-Maschine Interaktionen und Arbeitsprozesse. Diese können meist gut kontrolliert, gezielt abgeschirmt oder abgesichert werden. Doch was ist, wenn wir uns selbst bewegen – und dabei unachtsam sind? Lesen Sie dazu den ersten Beitrag aus der 12-teiligen Paradigmenwechsel-Reihe.

von Larry Wilson

Gefährliche Energie ist überall

Stellen Sie sich einen Stützpfeiler in einer Produktionshalle vor. Dieser ist zunächst einmal ungefährlich. Wenn jedoch ein Lagerarbeiter mit seinem Gabelstapler mit 20 km/h gegen diesen Pfeiler fährt, kann schnell eine gefährliche Situation entstehen.

Oder nehmen wir ein alltägliches Beispiel aus dem Straßenverkehr. Stellen Sie sich eine Autobahnbrücke mit einem Stützpfeiler vor und fragen Sie sich, ob dieser eine Gefahr darstellen könnte. Natürlich auf den ersten Blick nicht. Wenn Sie jedoch mit 120 km/h auf dem Motorrad unterwegs sind und mit dem Pfeiler kollidieren, führt dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zu tödlichen Verletzungen. So wird diese an sich ungefährliche Brücke zur tödlichen Gefahr.

Anhand dieser beiden Beispiele wird klar, dass es nicht nur um allgemein bekannte oder in der Risikoanalyse von Arbeitsprozessen identifizierte Gefahren geht. Denn insbesondere „Bewegungsenergie“ kann uns gefährlich werden.

Durch Bewegung können unvorhergesehene Unfälle entstehen

Es geht also – im privaten wie im beruflichen Kontext – nicht nur um Gefahren, die von Gegenständen, Substanzen und sich bewegenden Maschinen in unserer Umgebung ausgehen, sondern auch um potenziell gefährliche Energie, die aus unseren eigenen Bewegungen entstehen kann. Obwohl wir das Konzept der gefährlichen Energie beispielsweise durch Geschwindigkeitsbegrenzungen in der Fabrikhalle adressieren, haben wir dies nicht unbedingt auf den Menschen allumfassend im täglichen (Arbeits-) Umfeld erweitert.

Wie können wir zum Beispiel bemerken, dass uns bei diesen alltäglichen Bewegungen in unserer Umgebung etwas in den Weg kommen könnte, wenn wir nicht unser Umfeld beobachten? Wann immer Menschen oder Dinge in unserer Nähe in Bewegung sind oder wir uns selbst bewegen, ist es nicht mehr nur von „sekundärer“ Bedeutung, mit den Augen und dem Kopf bei der Sache zu sein, um Unfälle und Verletzungen zu vermeiden.

Vier kritische Fehler sind verantwortlich für Unfälle

Insgesamt gibt es vier kritische Fehler, die alleine oder in Kombination Unfälle und Verletzungen verursachen oder zumindest dazu beitragen. Die ersten zwei habe ich bereits erwähnt: „Augen nicht bei der Sache“ und „Kopf nicht bei der Sache“. Diese kritischen Fehler können allein oder im Zusammenspiel dazu führen, dass man in die Gefahrenzone gerät oder das Gleichgewicht verliert. In der Regel sind es aber die beiden ersten Fehler, die uns – alleine oder in Kombination – einer Gefahr oder eben einer gefährlichen Energie aussetzen.

Zusammenfassend

Es geht somit nicht nur um Gefahren per se, sondern auch um gefährliche Energie, also wenn Menschen oder Dinge in Bewegung sind. Den entscheidenden Unterschied machen die vier kritischen Fehler, die zu Unfällen führen oder dazu beitragen. Demnach ist es wichtig, menschlichem Fehlverhalten vorzubeugen und damit Unfälle und Verletzungen zu verhindern.

Doch inwieweit ist menschliches Fehlverhalten auch für andere Aspekte Ihres Unternehmens von Bedeutung? Sind Investitionen in die Sicherheit wirklich nur unnötige Kosten? Oder kann durch ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein und -aufmerksamkeit auch eine Verbesserung bei Qualität und Fertigung erreicht werden?

Erweitern Sie Ihr Gesamtkonzept um den menschlichen Faktor

Um solche Ereignisse möglichst zu vermeiden, sollte das gesamte Sicherheitskonzept – im Unternehmen und auch außerhalb des Arbeitsplatzes – auf den Faktor Mensch erweitert werden. Dabei sind maßgeblich Situationen zu berücksichtigen, in denen Mitarbeiter in Bewegung sind oder sich etwas in deren Umfeld bewegt.

Bei solchen Gegebenheiten gilt, die Umgebung genau zu beobachten und wachsam zu sein, um jederzeit richtig reagieren zu können, wenn etwas in den Weg kommt. Die Mitarbeiter müssen immer mit den Augen und dem Kopf bei der Sache sein.

Im nächsten Beitrag aus der 12-teiligen Paradigmenwechsel-Reihe am Dienstag, den 05. Februar 2019, diskutieren wir die Frage: „Entscheidung oder Fehler – Wodurch werden mehr als 95 Prozent aller Verletzungen verursacht?“

Ihr
Larry Wilson

 

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(Coverbild: © industrieblick / stock.adobe.com)