#9 – Kritische Entscheidungen (1): Normales vs. außergewöhnliches Risiko

Viele Unfälle und Verletzungen sind das Ergebnis von unbeabsichtigten Fehlern. Doch was, wenn wir genau wissen, dass wir ein Risiko eingehen, indem wir eine Vorschrift „ausnahmsweise“ missachten? Warum wir immer wieder fatale Entscheidungen treffen – und wie wir sie vermeiden können.

Bisher befassten wir uns maßgeblich mit den vier Zuständen Müdigkeit, Frustration, Hektik und Selbstüberschätzung und wie sie in einer verhängnisvollen Kette erst zu unbeabsichtigten Fehlern und dann zu Unfällen und Verletzungen führen. Dieser Prozess läuft meist ab, ohne dass wir es merken. Aber was, wenn wir sehr wohl merken, dass das, was wir gerade tun, grundfalsch ist und wir ein unnötiges Sicherheitsrisiko eingehen? Was, wenn wir uns bewusst entscheiden, uns in die Gefahrenzone zu begeben und Sicherheitsvorschriften zu missachten? Wie diese fatalen Entscheidungen entstehen – und wie sie sich verhindern lassen – ist das Thema des Paradigmenwechsels Nummer Neun.

Im letzten Artikel zur Paradigmenwechsel-Reihe stand das Kontinuum der Selbstüberschätzung im Fokus und die Tatsache, dass es keine Rolle spielt, was wir gerade tun, aber es sehr wohl wichtig ist, wann wir es tun. Wenn Sie darüber nachdenken, welche Verletzungen Sie sich bei welchen Tätigkeiten zugezogen haben – auch wenn es nur ein Kratzer oder eine Beule war – dann wird Ihnen auffallen, dass sie sich bei fast allem, was Sie je getan haben, schon einmal verletzt haben: Sei es beim Gehen, beim Laufen, beim Putzen, beim Tragen von Dingen, die Ihnen auf den Fuß gefallen sind, beim Schneiden, beim Hämmern, beim Fahren, beim Kochen, beim Nähen… Sicher haben Sie bei all diesen Tätigkeiten mehr als einmal „Au“ oder Schlimmeres geschrien.

Es kommt also sicher nicht auf die Tätigkeit an, sondern auf den Zeitpunkt. Vor allem schwere Verletzungen passieren uns meistens dann, wenn wir weder den Kopf noch die Augen bei der Sache haben. In der Folge konnten uns unsere Reflexe nicht schützen, für einen kurzen Moment waren wir schutzlos. Wir konnten nicht in letzter Sekunde auf die Bremse treten, das Lenkrad herumreißen, unser Gleichgewicht wiederfinden oder den Kopf schnell zurückziehen – einfach weil wir nicht hingesehen haben (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1

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