Weniger Fehler machen: Wie Sie in Echtzeit richtig reagieren!

Hand hält abstraktes schwebendes Warndreieck als auftauchendes Warnsignal

Welche Folgen unbeabsichtigte – und menschliche! – Fehler nach sich ziehen und welchem Muster sie folgen, waren die Themen der letzten beiden Beiträge. Die Erkenntnis über das Muster allein bringt jedoch noch keine Verbesserung mit sich. Um langfristig weniger Fehler zu machen, müssen Sie in der Lage sein, die Warnsignale richtig zu deuten. Denn nur so können Sie diese unbeabsichtigten Fehler vermeiden – systematisch und in Echtzeit.

Warnsignale erkennen, menschliche Fehler vermeiden

Das Zustand-Fehler-Muster ist in allen Lebensbereichen relevant, nicht nur für die Arbeitssicherheit. Wir kennen die vier entscheidenden Zustände nur zu gut, denn

  • Hektik
  • Frustration
  • Müdigkeit
  • Selbstüberschätzung

begegnen uns nahezu jeden Tag. Die Zustände an sich können wir also faktisch nicht eliminieren. Die gute Nachricht ist jedoch, dass es nur vier Zustände sind, die immerhin mehr als 90 Prozent aller Unfälle und Verletzungen verursachen. Diese Tatsache macht die Fehlerursachen überschaubar – und damit behandelbar. Dadurch haben wir die Chance, die Warnsignale – also das zugrundeliegende Muster – rechtzeitig zu erkennen und die Fehler zu vermeiden. Dies bildet also eine entscheidende Ergänzung zu unseren Reflexen und sicherheitsrelevanten Gewohnheiten, wenn es darum geht, unsere persönliche Sicherheit zu verbessern.

Self-Triggering: Automatisch richtig reagieren

Ein wichtiges Mittel zur Reduzierung kritischer Fehler (CERT) ist das Self-Triggering. Dieses läuft in einem zweistufigen Prozess ab:

  1. Wir erkennen, dass wir uns in einem der vier oben genannten Zustände Dieser fungiert als Warnsignal (Trigger) und sorgt dafür, dass wir die volle Aufmerksamkeit auf den Moment richten. Wir haben also Kopf und Augen (wieder) bei der Sache und verringern bereits so unser Unfall- und Verletzungsrisiko.
  2. Im zweiten Schritt reagieren wir situationsangemessen. Wir reduzieren beispielsweise die Geschwindigkeit, atmen tief durch, um uns zu beruhigen, oder wir machen eine kurze Pause. Dann konzentrieren wir uns bewusst darauf, eben keinen kritischen Fehler zu machen.

Häufig ist es nicht möglich, einfach einen Arbeitsablauf zu unterbrechen. Durch das Self-Triggering hat jedoch jeder einzelne Mitarbeiter die Möglichkeit, die eigene Aufmerksamkeit selbständig und in Echtzeit auf den eigenen Zustand und das eigene sichere Verhalten zu lenken und so Fehler zu vermeiden.

In Echtzeit reagieren, um weniger Fehler zu machen

Indem wir die Zustände als Warnsignale erkennen, wird es möglich, effektiv weniger Fehler zu machen und Fehler sogar ganz zu vermeiden. Das zeigen die beiden folgenden Beispiele:

Frustration überwinden

Wer von uns kennt das nicht: Die Frustration über nicht funktionierende Arbeitsgeräte. Verstopfte Drucker dank Papierstau, Computer, die Eingabebefehle ignorieren, oder Kompressoren, die nicht funktionieren. Wir neigen dazu, unsere Wut dann an den Geräten auszulassen – und gehen damit ein eigentlich unnötig größeres Risiko ein, uns zu verletzen. Fassen wir wütend in den Drucker, dann klemmen wir uns mitunter die Hand ein oder schneiden uns an scharfen Papierkanten, treten wir aus Zorn gegen den Kompressor, verstauchen wir uns das Sprunggelenk.

Sind wir jedoch darin geübt zu erkennen, dass wir gerade frustriert sind (Schritt 1), dann führt diese Erkenntnis dazu, dass wir die Situation gewissermaßen „von außen“ betrachten. Wir erkennen unseren Zustand und nehmen dadurch Abstand. Somit sind wir in der Lage, überlegter zu handeln (und eben nicht unsere Wut an Dingen auszulassen) und eine rationale Lösung für das Problem zu finden (Schritt 2) – und zwar, ohne uns zu verletzen.

Hektik vermeiden

Ein eng gesetzter Abgabetermin in Kombination mit Verzögerungen aufgrund von Lieferschwierigkeiten: Das ist der Albtraum jedes Produktionsmitarbeiters. Denn nun geht es darum, die verlorene Zeit wieder hereinzuholen, um den Termin noch einhalten zu können. Dafür muss besonders schnell gearbeitet werden. Doch das Ergebnis ist meist kein qualitativ hochwertiges Produkt, das besonders schnell fertig gestellt wurde, sondern vielmehr das Gegenteil. In der Hektik werden Arbeitsschritte ungenau ausgeführt, notwendiges Werkzeug wird vergessen und muss auf zusätzlichen Wegen nachträglich an den Arbeitsplatz geholt werden.

Wer diese Situation nun vorab erkennt (Schritt 1), kann sie wiederum analysieren und situationsbedingt richtig handeln. Gerade, wenn es schnell gehen muss, ist es absolut notwendig, hochkonzentriert bei der Sache zu bleiben (Schritt 2). Nur so lässt sich sicherstellen, dass einerseits die Qualität des Ergebnisses nicht gefährdet wird, und andererseits Unfälle aufgrund von Unachtsamkeit vermieden werden.

Wir alle kennen diese Situationen – und jeder kann sich sicher ähnliche Situationen vorstellen, wenn er oder sie müde wird. Leider lassen sich diese Zustände aber nicht vermeiden. Entscheidend ist aber, dass wir in Echtzeit richtig reagieren. Nur so gelingt es uns, kritische Fehler am Anfang der Kette zu vermeiden.

Kritische Fehler vermeiden – mit System und automatisch

Frustrierter müder Arbeiter mit weißem Schutzhelm und Warnweste schlägt die Hände vor das Gesicht
Erschöpft, unausgeschlafen, unkonzentriert? Mit unserem Sicherheitsleitfaden zum Thema Müdigkeit erhalten Sie schnelle erste Hilfe – für sicheres Verhalten am Arbeitsplatz.
>>> Hier kostenfrei herunterladen! <<<
(Bild: © FreeProd | stock.adobe.com)

Wenn wir bemerken, dass wir uns in einem gefährlichen Zustand befinden, dann können wir reagieren. Wenn wir wissen, dass wir müde sind, können wir uns stärker darauf konzentrieren, Augen und Kopf bei der Sache zu behalten, die Gefahrenzone bewusst zu meiden und besonders auf unser Gleichgewicht zu achten.

Hinzu kommt: Fehler, die wir in einem dieser Zustände machen, kosten uns mehr Zeit als die schlechte Planung, der wir so gern die Schuld geben. Wir vergessen das Werkzeug im Wagen oder legen das falsche Material in die Presse. Die Folgen sind schlimmstenfalls: Noch mehr Frustration, noch mehr Hektik, noch mehr Fehler.

Weitere nützliche Tipps, wie Sie weniger Fehler machen

Das Wissen um die Zustände – Hektik, Frustration, Müdigkeit und Selbstüberschätzung – und ihre Wirkungsweise kann Verletzungen wirksam und nachhaltig vermeiden. Jeder dieser Zustände als Warnsignal wahrgenommen werden. Dies gelingt, indem jeder Einzelne sein Bewusstsein für diese Zustände und die zugrunde liegenden Mechanismen der Fehlerkette gezielt schult und trainiert.

Weitere Informationen, die Ihnen und Ihren Mitarbeitern dabei helfen können, Fehler zu vermeiden und die Arbeitssicherheit für sich und andere zu verbessern, finden Sie beispielsweise auf diesen Seiten:

Der Paradigmenwechsel-Artikel 8 befasst sich ausführlich mit dem Zustand der Selbstüberschätzung und wie man richtig mit ihr umgeht. Alle Artikel dieser Reihe finden Sie in unserem Überblick:

 

(Coverbild: © vegefox.com | stock.adobe.com)